11.11.2019

Kleingüteraufzug für Schloss Neuschwanstein

Bei mehr als 2000 gefertigten Aufzügen pro Jahr und Lieferungen in über 80 Ländern weltweit ist natürlich davon auszugehen, dass unsere Aufzüge auch mal in bekannteren Gebäuden eingebaut werden. Da wir jedoch als reiner Zulieferer der Aufzugindustrie auf dem Markt sind, erfahren wir leider in den wenigsten Fällen wo sich unsere Aufzüge schlussendlich tatsächlich befinden werden.

Da freuen wir uns natürlich über jede Möglichkeit, einen unserer Aufzüge nach Einbau besuchen zu können. Eventuell erinnert sich der ein oder andere an Markus Reilings Besuch in London, bei welchem er seine leidgeplagte Frau anstatt zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt lieber in die Tiefen des Borough Marktes führte, um dort einen 2000 kg-Aufzug zu fotografieren (siehe unsere Instagram-, Facebook- oder LinkedIn-Seite). In jetzigen Fall bekam die Familie die einmalige Möglichkeit Schloss Neuschwanstein zu besuchen und Markus durfte dafür den nächsten Aufzug im Bild festhalten. Familie Reiling würde sich übrigens auch über Referenzanlagen in der Karibik freuen!

Aber zunächst etwas Hintergrundinfo: vor ca. 3 Jahren fragte das Staatliche Bauamt Kempten in Person von Hr. Andreas Brandner bei uns an, ob es die Möglichkeit gebe im Schloss einen Kleingüteraufzug zu realisieren. Allerdings waren die Vorgaben nicht unproblematisch:

 Historisches Gebäude, welches keine Anpassungen an der Gebäudestruktur zulässt

  • Einbau in einem Treppenauge mit Befestigungen lediglich an einer Podestseite und der Treppenwange
  • Förderhöhe ca. 23,0 m
  • Reduzierte Schachtkopfhöhe, da sich hier eine Dachschräge befindet
  • Übereckzuladung

Die größte Herausforderung war jedoch das gewünschte Kabinenmaß. Der Aufzug dient zum Transport von historischen Stoffen, welche im Schloss gelagert und restauriert werden. Der Grund dafür ist, dass das oberste Geschoss mit seinen speziellen Mauern sich hervorragend als natürlicher Lagerort für die Stoffe eignet, da hier ideale Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen herrschen. Daher werden hier nicht nur die Stoffe aus dem Schloss selbst gelagert, sondern auch aus weiteren historischen Gebäuden der gesamten Umgebung.

Die Stoffe werden in einem ausgeklügelten Verfahren gefaltet und in Kartons mit speziellen Maßen verpackt. Diese Kartongrößen forderten nun eine mindestens 1.58 m breite Türöffnung auf der Längsseite des Aufzuges. Dadurch musste die Kabinengröße auf 660 x 1680 mm anstatt der maximal erlaubten 1000 x 1000 mm vergrößert werden. Ebenfalls speziell sind die dadurch sehr breiten Türen auf der Längsseite. Damit diese sauber laufen konnten, setzten wir einteilige Hubtüren ein, welche sich nach oben öffnen lassen. Im obersten Halt dagegen wurde aufgrund der extrem niedrigen Schachtkopfsituation eine einteilig nach unten öffnende Schiebetür eingesetzt.

Als Gerüst nutzten wir ein selbst entworfenes, selbsttragendes Gerüst, welches vom Kunden mit einem speziell angepassten Lochblech verkleidet wurde. Obwohl der Aufzug nur von Personal benutzt wird, wurde er dennoch mit eine in voller Höhe angebrachten LED-Beleuchtung in Szene gesetzt.

Vertrieb, Montage und Inbetriebnahme wurde von der Fa. Aufzugtechnik Schiefer aus Paderborn übernommen, welche hier eine hervorragende Arbeit geleistet hat und wofür wir uns hier noch einmal bedanken möchten. Ebenfalls bedanken möchten wir uns auch noch einmal bei Hr. Andreas Brandner vom Staatlichen Bauamt Kempten, welcher uns den Zugang zur Anlage ermöglichte.

Technische Daten des Kleingüteraufzuges in Schloss Neuschwanstein:

BKG Typ 100.45/7FS

  • 5 Haltestellen
  • 5 Ladestellen
  • Zugang übereck
  • Förderhöhe 22.956 mm
  • Schachtkopf inkl. Antrieb 2000 mm
  • Fahrkorbmaß 660 x 1680 x 900 mm
  • Türbreite frontseitig 660 mm
  • Türbreite auf seitlichem Zugang 1580 mm
  • Motor BKG H8-RG mit 1,1 kW
  • Antrieb über Treibscheibe mit Gegengewicht
  • Betriebsgeschwindigkeit 0,45 m/s